Pädagogischer Hintergrund

Aus dem täglichen Umgang mit den Kindern in unserer eigenen Kindertagesstätte sowie aufgrund eines jahrelangen Dialoges mit Erwachsenen und Kindern in den Einrichtungen vor Ort wissen wir: Kinder brauchen wenig Spielzeug. Aber das Wenige muß echtes Spielen ermöglichen. Im Spiel erhalten die Kinder eine Chance zur Entfaltung ihres eigenen Lebens.
Im spielerischen Hineinwachsen in das alltägliche Leben kann die in jedem Kind angelegte Freude gefördert werden, eigene Erfahrungen zu machen, auszuprobieren, zu lernen, kooperativ und schöpferisch zu sein - allein oder gemeinsam mit anderen. Spielzeug, das sich an den grundlegenden Spiel- und Lebensbedürfnissen der Kinder orientiert, kann dazu verhelfen.

EMMI PIKLER (1902-1984) war Kinderärztin, Gründerin und langjährige Leiterin des Säuglingswaisenheims „Lóczy“ in Budapest, das heute durch seine Forschung und Weiterbildung international als Pikler-Institut bekannt ist.
Der Name Emmi Pikler steht heute für einen Bewusstseinswandel in der Kleinkindpädagogik: Schon der Säugling wird als Mensch ernstgenommen, wodurch auch die Langzeitschäden einer Kindheit im institutionellen Rahmen nachweislich nicht aufgetreten sind. Emmi Pikler erkannte schon bei ihrer familienberatenden Tätigkeit den Wert der Eigenaktivität und selbstbestimmten Bewegungsentwicklung des Kindes für seine Persönlichkeitsentfaltung. Wenn sein Bedürfnis nach Geborgenheit durch liebevolle Zuwendung während der Pflege befriedigt wird, kann es in einem geschütztem Rahmen beim freien Spielen u.a. Selbstvertrauen, Geschicklichkeit und Ausdauer entwickeln.

ELFRIEDE HENGSTENBERG (1892-1992) war Gymnastiklehrerin in Berlin und hat dort mit Großstadtkindern gearbeitet. Ihr Anliegen war es, dass Kinder selbständig ihre Bewegungsfähigkeiten entdecken und entwickeln können.

„Wir alle kennen diese ursprünglichen Regungen der Kinder, die immer wieder darauf hinauslaufen, allein probieren zu wollen. Wir sollten nur noch mehr darum wissen, dass diese unermüdliche Überwindung von Widerständen aus eigener Initiative dem Kind jene Spannkraft verleiht, die wir ihm zu erhalten wünschen, und dass die Freude an der Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten darauf beruht, dass es selbständig beobachten, forschen, probieren und überwinden durfte.“E. Hengstenberg

Die Hengstenberg-Bewegungsmaterialien sind kombinierbar und dienen als vielseitige und bewegliche Bauelemente. Somit bieten sie einerseits den Kindern die Möglichkeit, sich Bewegungslandschaften zu bauen, die sie in hrem eigenem Zeitmaß und eigener Dynamik erkunden dürfen und die der Entfaltung ihrer Geschicklichkeit und Bewegungsfreude Raum geben. Andereseits beantworten die Stangen, Leitern, Bretter,... das Bewegungverhalten der Kinder in einem hohen Maße von selbst: „Ich lasse die Kinder also grundsätzlich selbständig forschen und entdecken...und bereite Gegenstände und Geräte vor, die die Kinder verlocken, damit zu experimentieren.“ Die Kinder erleben sich in ihrer ganzen Körperlichkeit. Indem sie sich barfuß bewegen, begreifen sie über ihre Fußsohlen die unterschiedlichen Oberflächen und entdecken die Lebendigkeit ihrer Zehen, mit denen sie für einen sicheren Halt sorgen.